Quarantäne

Warum ist eine Quarantäne so wichtig und wie soll man eine sinnvolle Quarantäne durchführen?

Zur Koihaltung gehört daher für viele Koifreunde mittlerweile eine kleinere Quarantäneeinheit, die leicht beheizbar ist und in der einzelne Koi auch über einige Monate hinweg gesund gepflegt werden können.

Auch leidgeprüfte Koibesitzer, die sich mit einem einzigen neuen Fisch üble Krankheiten wie zum Beispiel die sehr ansteckende Herpesviruserkrankung der Koi („KISS“; IKN) in den Teich eingeschleppt haben, zeigen zunehmend Interesse für eine Quarantänehälterung, in der neu gekaufte Fische einige Zeit beobachtet und gegebenenfalls behandelt werden können.

Es gibt also verschiedene gute Gründe, die wichtigsten Grundlagen für eine erfolgreiche Quarantänehälterung zusammenzufassen. Viele Koifreunde können bestätigen, daß sie sich die ganze Angelegenheit einfacher vorgestellt hatten. Wir beginnen  bei der eigentlichen Ausrüstung und den Maßnahmen für kranke Koi. In einem zweiten Teil werde ich noch genauer auf die Fütterung und die speziellen Erfordernisse einer echten Quarantänehälterung für neue Koi so wie die wichtigsten Fehler eingehen. Dann ist es ja auch wieder so weit, daß frisch importierte Koi im Handel auf ihre Käufer warten!

Die Ausrüstung und der Filter

Im Handel gibt es diese blauen Becken, die ca. einen Kubikmeter Wasser  fassen und die einen (sehr) kleinen „Filter“ auf dem Becken montiert haben. Wenn Sie es eilig haben, können derartige Becken eine Hilfestellung sein. Wenn Sie sich in Ruhe mit dem Thema befassen, werden Sie jedoch auch mit anderen Lösungen sehr  zufriedenstellende Ergebnisse erzielen. Quarantänebecken sollten unnötigen Streß von den Koi fernhalten. Hier ist besonders die Farbe wichtig: Schwarz, braun oder dunkelgrün sind geeignet, blau bedeutet erhöhten Streß! Das Becken sollte gut zu reinigen sein, kann also zum Beispiel auch ein (platzsparendes) Faltbecken sein.

Das Wasservolumen

Für einen ausgewachsenen Koi von 60 cm und mehr sollten Sie unbedingt ein Becken mit mindestens 1 Kubikmeter Wasser bereithalten, je größer der Fische, desto mehr Schwimmraum sollte er haben. Denken Sie daran, daß „Einzelhaft“ nur eine absolute Notlösung sein kann. Eine gut geplante Quarantäneanlage hat Platz für mindestens zwei Koi in etwa der gleichen Größe!

Der Filter sollte ca. ¼ bis 1/3 des Wasservolumens ausmachen. Absetztonnen vor den eigentlichen Bürsten- und Biofiltermaterialien ermöglichen eine Sedimentation der Schwebstoffe und des Kotes, was eine gute Entlastung der Filterbiologie mit sich bringt. In einem Krankenhaus muß es sauber zugehen, alle Maßnahmen, die auf leichte Weise eine tägliche Entfernung von Kot und Schwebstoffen ermöglichen, sind daher sinnvoll.

Die Wasserversorgung

Solange der Biofilter noch nicht richtig arbeitet, sollte über Wasserwechsel, gegebenenfalls mit warmem Leitungswasser täglich oder alle zwei Tage 20% - 50% Wasser gewechselt werden.

Die Strömung im Becken muß so groß sein, daß der anfallende Dreck in der Pumpe landet, im Biofilter und in einem Sedimentationsbecken oder einer -tonne allerdings darf sie sehr langsam sein. Daher sollte der Querschnitt dieser Teile des Filters in Strömungsrichtung am besten breiter sein als lang.

Die Beleuchtung

Beleuchtung kann im Keller gut sein, die Fische brauchen aber kein „künstliches Tageslicht“. Daher kann eine einfache Kellerbeleuchtung für die Zwecke der Quarantäne völlig ausreichen. Wenn die Patienten überwintern müssen, ist es natürlich schön, wenn sie über ein kleines Fenster die Veränderungen der Tageslichtlängen miterleben und so ihre Laichanbildung  optimal gesteuert wird. Aber dies ist keineswegs zwingend!

Streßarme Beleuchtung wäre besonders schonend, wenn sie mit einem Dimmer erfolgt, also nicht plötzlich an- und ausgeht. Koi brauchen an sich für das Überleben aber kein Licht, kranke Fische stellen sich ja besonders gerne in dunkle und warme Bereiche. Ist der Raum taghell, sollte dann konsequenterweise eine (teilweise) abdunkelnde Abdeckung nach oben angebracht werden, unter der die Koi Ruhe und Schutz nach oben finden.

Vorsicht: Verletzungsgefahr!

Pumpen, Rohre und Leitungen sind verletzungsträchtig, daher sollten im Becken selbst so wenig Gegenstände wie möglich angebracht sein.

Abdeckung muß sein!

Und zwar gründliche und konsequente. Sie würden es nicht glauben, wie viele Koi in Quarantänebecken zunächst einmal durch Herausspringen ihr Ende finden! Daher muß die Abdeckung mit Netzen straff gespannt werden, es dürfen keine Säcke am Rand verbleiben, in denen die Fische dann hängen. Am besten sind Bretter, die man gut beschweren sollte und die dann auch für Ruhe im Becken sorgen.

Die Wasserqualität und Wassertemperaturen

Machen Sie sich bitte keine Illusionen. Gesund kann ein Koi nur werden oder bleiben, wenn er in gutem Wasser schwimmt. Dann heilen bei 23°C die allermeisten Geschwüre und Wunden ohne weitere Mittelchen. Schlechte Wasserwerte sind entweder zu kalte Temperaturen, mit Testkits nachweisbare Mengen von Ammonium und/oder Nitrit, Sauerstoffwerte bei 23°C unter 6,0 mg/Liter aber auch hohe Keimzahlen. Diese entstehen dann, wenn gestreßte Fische massiv Schleim bilden, der ein guter Nähboden für Bakterien ist. Fische, die in höhere Temperaturen gelangen und krank sind, haben manchmal nach 2-3 Tagen auch massiv mit Parasiten zu kämpfen, die ebenfalls für erhöhte Schleimbildung und erhöhte Keimgehalte sorgen können.

Unumgänglich: Wasserwertemessen und Wasserwechsel

Am Anfang, wenn die Anlage noch neu ist und „anfährt“ bleibt daher nur das Wasserwertemessen und die konsequenten Wasserwechsel als dringendste Maßnahme.

Filterstarter

Sie können den Biofilter mit Material aus dem Teichbiofilter draußen impfen, wenn das Problem nur einen einzigen Fisch betrifft und alle anderen Fische im Teich seit längerer zeit schon gesund sind. Wenn Sie jedoch ein Bestandsproblem haben („Löcher“), dann können Sie den Quarantänefilter mit Filterstartern impfen, diese machen Wassermessen und –wechseln jedoch nicht unnötig!

Wenn es die Platzverhältnisse ermöglichen, ist es natürlich sinnvoll, die Anlage ganzjährig mit einigen wenigen, kleinen Fischen „am Leben“ zu erhalten. Diese kleinen Fische sollten am besten Koi sein, keine Goldfische, wegen der Gefahr der Parasitenübertragung von Goldfischen auf Koi.  Bitte denken aber auch dann daran, daß die plötzliche Zunahme von Biomasse durch große Koi zunächst den Biofilter überfordern wird und für kurze Zeit zu einer Wasserbelastung führen muß. Auch hier helfen Wasserwechsel und vor allen die Kontrolle der aktuellen Werte.

Biofilter können nur so gut filtern, wie die Wassertemperaturen es erlauben. Daher sollte man unter 18°C nicht mit einem guten Start rechnen und erst ab 24 °C mit einem wirklich schnellen Einlaufen des Filters (das dauert dann aber auch mindestens 14 Tage bis drei Wochen!)

In dieser Zeit gilt so weit es nur machbar ist Fütterungsverbot!

Parasitenkuren und Salz

Sinnvoll ist es, die Koi am Beginn der Quarantäne mit FMC, Medifin oder ähnlichen Parasitenmitteln zu behandeln, wenn ein Befall nicht ganz ausgeschlossen werden kann. Nach vier Tagen kann man dann nach den üblichen Wasserwechseln das Becken aufsalzen auf 0,3 bis 0,5%, das sind 3 bis 5 Kilo jodfreies Kochsalz pro 1000 Liter Wasser. Nach jedem Wasserwechsel wird anteilig die entsprechende Menge Salz nachdosiert, also zum Beispiel bei einem Salzgehalt von 0,3% in 1000 Liter Wasser nach einem Wasserwechel von 1/3 sollte danach 1 Kilo Salz zugegeben werden. Dieser Salzgehalt wird aufrechterhalten, bis nach ca. 2 bis 3 Wochen der Nitritwert anfängt, zu sinken. Dann erst ist es sinnvoll, die Fütterung auf den Erhaltungsbedarf zu erhöhen, das wäre dann maximal 0,5 % des Koigewichtes, wenn man ein handelsübliches Weizenkeimfutter verwendet, Kranke Koi bekommen natürlich Lebertran zugemischt!

Bitte sorgen Sie dafür, daß die Fische bei den Wasserwechseln nicht ständigen Temperaturschwankung ausgesetzt werden.

Temperaturen sind alles!

Die Temperaturerhöhung sollte maximal 1 °C pro Tag betragen. Nur dann ist eine schonende Erwärmung gewährleistet. Bitte bedenken Sie, daß nicht alles, was wir überleben auch wirklich gesund ist. Daher ist es aber auch wichtig, schnell genug für eine Quantantänehälterung zu sorgen. Wenn das Wasser im Teich dann unter 10°C hat, ist schon das Fangen und Umsetzen sehr gesundheitsschädlich für Koi. Wenn man also im September bei 16°C Nachttemperatur im Teich schon bei einzelnen Fischen sieht, daß sie Löcher haben, sollten sie dann bereits in wärmerem Wasser behandelt werden. Dann besteht sogar eine Chance darauf, sie noch in den Teich zurücksetzen zu können.

Autor: Dr. med. vet. Sandra Lechleiter, Dez. 2001

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